Neues Testverfahren für den Kraftstoffverbrauch – was ändert sich mit dem WLTP?

Seit dem 01. September 2017 gilt der WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicle Test Procedure) EU weit als neues Testverfahren für die Typzulassung neuer Pkws und ersetzt den 1992 eingeführten und bisher gültigen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Ab September 2018 gilt der WLTP für alle Neuzulassungen. Warum gibt es ein neues Testverfahren und was ändert sich für die deutschen Autofahrer?

Um den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und die Schadstoffe von verschiedenen Fahrzeugmodellen unterschiedlicher Hersteller so zu messen, dass sie vergleichbar sind, gibt es Testverfahren, die unter klar definierten Laborbedingungen reproduzierbare Ergebnisse ermitteln. Diese offiziellen Werte sind zum einen zur Bewertung der Einhaltung von Abgasgrenzwerten bei Typgenehmigungen notwendig. Zum anderen sollen die Ergebnisse vergleichbare Daten zu Verbrauch und CO2-Emissionen für die Kunden liefern. Der Verbrauch ist für den Kunden ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Kaufentscheidung. Die CO2-Werte sind Grundlage für die Kfz-Besteuerung und dienen außerdem dem staatlichen Monitoring der CO2-Grenzwerte für Fahrzeugflotten.

Warum wird der NEFZ ersetzt?
1992 wurde der NEFZ als Testverfahren eingeführt. Er geriet in den letzten Jahren aber zunehmend in Kritik, da die Laborergebnisse immer stärker von den Kraftstoffverbräuchen im realen Betrieb auf der Straße abwichen. Nach einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) betrug der Mehrverbrauch – also die Differenz zwischen Laborergebnissen und realen Verbrauchswerten – im Jahre 2001 etwa 8 % und 2013 ganze 38 %. Die Studie verortet die Ursache unter anderem darin, dass der Fahrzyklus, der vor 25 Jahren entwickelt wurde, nicht mehr den gängigen Fahrstilen entspricht. In dem 20 minütigen Fahrzyklus werden nur 11 km bei einer mittleren Geschwindigkeit von 34 km/h zurückgelegt, die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h wird nur für 10 Sekunden gehalten. Die Beschleunigungsvorgänge sind mit 26 Sekunden von 0 auf 60 km/h sehr langsam. Hinzu kommt, dass während des Tests Zusatzausstattungen wie Radio, Klimaanlage oder Sitzheizung nicht verbaut bzw. ausgeschaltet sind. Dadurch ergibt sich weniger Gewicht und ein geringerer Energieverbrauch. Aufgrund des relativ hohen Standanteils von 25 %, wirkt sich die Start-Stopp-Technologie im Labor auch deutlich effektiver aus als auf der Straße.

Was ist beim WLTP anders?
Um realitätsnähere Testergebnisse zu erzielen, hat die  United Nations Economic Comission for Europe (UNECE) den WLTP entwickelt. Dieser fällt im Vergleich deutlich dynamischer aus: Die Zykluszeit wurde auf 30 Minuten erhöht, die Standzeit auf 13 % reduziert. Die Zykluslänge wurde auf über 23 km mehr als verdoppelt. Zudem wird schneller gefahren: Die mittlere Geschwindigkeit beträgt nun 47 km/h, die Höchstgeschwindigkeit 131 km/h und die Beschleunigung von 0 auf 60 km/h findet in 10,4 Sekunden statt. Neben dem Fahrzyklus haben sich aber auch die Prüfbedingungen verschärft. Die Tests müssen nun an vollausgestatteten Fahrzeugen stattfinden, sodass zusätzliches Gewicht und höherer Energieverbrauch mitberücksichtigt werden. Zudem gibt es eine vom UN Gremium festgelegte Testtemperatur von 23°C, die in Europa um einen Zusatztest bei 14°C ergänzt wird, um die hiesige Durchschnittstemperatur mit abzubilden. Zuvor wurden die Tests bei 30°C durchgeführt. Bei einer höheren Außentemperatur kommt der Motor schneller auf Betriebstemperatur und verbraucht weniger.
Neben den Prüfstand-Tests wird ab September 2017 für neue Pkws auch ein Real Drive Emissions Test (RDE) durchgeführt. Dafür werden während der Fahrt die Abgase mit mobilen Systemen, den PEMS-Geräten (Portable Emission Measurement System) ermittelt. Bisher mussten im Labor 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer eingehalten werden, nun sind es zusätzlich 168 Milligramm pro Kilometer auf der Straße – ab 2020 liegt der Grenzwert bei 120 Milligramm pro Kilometer. Ab September 2019 ist der Straßentest für alle Neuzulassungen vorgeschrieben.

Was ändert sich für die Autofahrer?
Für bereits zugelassene Pkws ändert sich nichts. Nur für Neuzulassungen ab dem 01. September 2018 könnten höhere Kfz-Steuern anfallen, da ab diesem Zeitpunkt der WLTP-Wert zur Ermittlung der Kfz-Steuer herangezogen wird. Da davon auszugehen ist, dass der Verbrauch und somit auch die CO2-Emissionen der Pkws im WLTP-Fahrzyklus höher ausfallen – im Vergleich zum NEFZ, nicht zum Realverbrauch – steigt somit auch die Kfz-Steuer neuzugelassener Pkws.

Sind die Messergebnisse nun identisch mit dem Realverbrauch?
Der Verbrauch und somit auch die Emissionen hängen stark vom Fahrstil, dem Verkehrsfluss, der Topografie und dem Wetter ab. Laut ADAC kann alleine der Fahrstil zu Aufschlägen von 20 % führen. Daher werden die Messwerte nicht identisch, sondern nur näher an den Realverbräuchen liegen als beim NEFZ. Dennoch bleibt die Messung auf dem Prüfstand wichtig, um die verschiedenen Fahrzeuge der unterschiedlichen Hersteller unter gleichen Bedingungen zu testen und vergleichbare Ergebnisse zu ermitteln.

Zusammengefasst

  • Ab dem 01. September 2017 gilt der WLTP und der RDE-Test für die Typgenehmigung neuer Pkws und leichter Nutzfahrzeuge
  • Ab dem 01. September 2018 gilt der WLTP für alle Neuzulassungen
  • Ab dem 01. September 2019 gilt der RDE-Test für alle Neuzulassungen
  • Für Neuzulassungen ab dem 01. September 2018 können höhere Kfz-Steuern anfallen