„Energiewende im Verkehr ist eine Chance zur Gestaltung der Zukunft“

Vier Fragen an Kristina Haverkamp, Geschäftsführerin der Deutschen Energie-Agentur (dena)

Laut einer dena-Verbraucherumfrage glauben nur 21 Prozent der Befragten, dass der Verbrennungsmotor 2030 den Markt noch dominieren wird. Wo steht Deutschland aktuell auf dem Weg in die Zukunft der Mobilität?

Das Umfrageergebnis spiegelt die starke Dynamik im Mobilitätsmarkt wider. Ich denke, wir tun gut daran, die Zukunft jetzt in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Erfolgsstrategien der Vergangenheit helfen dabei nur bedingt weiter. Mittlerweile sehe ich auch bei den deutschen Marktakteuren deutlich mehr Bereitschaft, sich dieser Herausforderung zu stellen und sie als Chance zu begreifen. Das stimmt mich optimistisch.

Was ist notwendig, um die Verkehrswende im deutschen Pkw-Markt einzuleiten?

Für mich sind vier Faktoren entscheidend: Erstens müssen wir die Menschen deutlich besser und möglichst frühzeitig informieren – über die Folgen des persönlichen Mobilitätsverhaltens und über die Alternativen im Markt. Zweitens sollten wir attraktive klimaschonende Produkte und Dienstleistungen im Bereich Mobilität entwickeln. Dafür braucht es drittens einen konsistenten politischen Rahmen, der das Verursacherprinzip stärkt und effiziente, emissionsarme Mobilität belohnt. Da ist die Politik gefragt. Viertens ist für mich entscheidend, die Energiewende im Verkehr als Chance zur Gestaltung der Zukunft sowie zur Steigerung der Lebensqualität zu begreifen.

Das Vertrauen der Verbraucher in die deutsche Automobilindustrie scheint den Umfrageergebnissen nach nicht sehr ausgeprägt. Kaum jeder Zweite glaubt, dass die deutschen Hersteller für den Zukunftswettbewerb gut aufgestellt sind. Worauf kommt es für Unternehmen an?

Wichtig ist erst einmal, den Wandel im Mobilitätsmarkt zu akzeptieren. Dies ist aus meiner Sicht geschehen. Dann geht es darum, Strategien für neue Fahrzeuge und nicht zuletzt auch für Mobilitäts-Dienstleistungen zu entwickeln. Hier passiert schon viel. Es wird aber noch immer ein Großteil der Entwicklungs- und Marketingbudgets für wenig effiziente und emissionsintensive Fahrzeuge ausgegeben. Auch wenn ich sehe, dass diese Fahrzeuge für die Bilanz der Hersteller eine wichtige Rolle spielen, würde ich mir wünschen, dass die Mobilität der Zukunft noch etwas beherzter in Angriff genommen wird – zumal wir sonst unsere starke Position auf wichtigen Auslandsmärkten riskieren. Großes Potential sehe ich in Kooperationen mit jungen Start-ups und mit Unternehmen aus anderen Branchen. Denn im Zuge der Energiewende werden die Verbindungen zwischen Mobilität und anderen Sektoren wie Energieerzeugung und -verteilung, Industrie und Gebäuden stärker. Das erleben wir im Energiewendeland Deutschland früher als anderswo. Diesen Vorteil sollten wir nutzen.

Sie vertreten die dena in der Expertengruppe zur Optimierung von Antriebstechnologien und alternative Kraftstoffe, die im Rahmen des „Nationalen Forums Diesel“, des sogenannten Dieselgipfels, einberufen wurde. Wie beurteilen Sie die bisherige Arbeit des Gremiums?

Die Expertengruppe kann einen wichtigen Impuls für die Verbesserung der Umweltemissionen des Verkehrs leisten. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass im Rahmen der Expertengruppen zukunftsorientierte Lösungen erarbeitet werden. Hierzu gehört die Überprüfung von konkreten Instrumenten, wie eine stärkere Besteuerung der Kraftstoffe auf Basis ihrer CO2-Emissionen oder auch die Dienstwagenbesteuerung. Es gibt viele Optimierungsmöglichkeiten und Hebel, um Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in den Markt zu bringen. Wir sehen aber auch, dass immer noch ein großes Informations- und Vertrauensdefizit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern im Hinblick auf alternative Antriebe besteht. Auch das muss weiter angegangen werden, ein Beitrag der dena ist derzeit die Website www.pkw-label.de .

Zur Pressemitteilung „dena-Umfrage: Verbraucher glauben an Zukunft der Elektromobilität“