Autonomes Fahren – Was ist das und was ist heute schon möglich?

Auf der Rückbank mit den Kindern spielen oder am neuen Projekt arbeiten, während das Fahrzeug seine Passagiere autonom und sicher zum zuvor einprogrammierten Ziel bringt. So sieht die Vision des autonomen Fahrens aus. Doch was genau bedeutet das eigentlich und wie ist der aktuelle Stand der Technik?

Foto: Volvo Cars

Schon heute übernehmen viele Autos das Einparken, Tempohalten oder Abbremsen selbst. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterscheidet das Fahren in sechs Stufen. Begonnen bei Stufe 0, in der das Fahrzeug ausschließlich vom Fahrer bedient wird, über Stufe 1, dem assistierten Fahren, zu den Stufen 2 bis 5, dem automatisierten Fahren. Stufe 2 beschreibt das teilautomatisierte Fahren. Dabei übernimmt das System die Längs- (Geschwindigkeit halten, Gas geben, bremsen) und Querführung (Lenken) des Fahrzeugs für einen spezifischen Anwendungsfall – etwa eine Autobahnfahrt. Der Fahrer muss das System allerdings dauerhaft überwachen. Bei Stufe 3, dem hochautomatisierten Fahren, ist dies nicht mehr notwendig. Das System übernimmt zunehmend die Führung. Der Fahrer muss jedoch in bestimmten Fällen eingreifen, worauf ihn das System mit einem ausreichenden zeitlichen Vorlauf hinweist. In Stufe 4, dem vollautomatisierten Fahren, ist kein Fahrer mehr im spezifischen Anwendungsfall erforderlich. So könnte etwa eine gesamte Autobahnfahrt vom System übernommen werden. Der Passagier muss zu Beginn lediglich das Auto starten. Stufe 5 ist schließlich das autonome Fahren, bei dem das Auto die gesamte Fahrt eigenständig durchführt, beispielsweise von der Garage des Eigenheims bis zum Parkplatz des Arbeitgebers.

Bis das vollständig autonome Fahren auf deutschen Straßen Alltag ist, wird es noch etwas dauern. Das automatisierte Fahren ist in Teilen aber schon heute in Serie möglich. Assistenzsysteme wie das Anti-Blockier-System (ABS) oder das elektronische Stabilitäts-Programm (ESP) sind bereits seit Jahren auf dem Markt und in den meisten Neufahrzeugen integriert. Ebenso sind Tempomaten für die konstante Geschwindigkeitshaltung und zunehmend auch vollautomatisierte Einparkhilfen ohne Fahrer am Steuer Bestandteil vieler Neufahrzeuge.

Der Zulieferer Bosch wirbt beispielsweise mit seinem Automatic Park Assist. Hierbei kann der Fahrer seinen Wagen mithilfe einer entsprechenden App auch außerhalb des Fahrzeugs einparken. Andere Assistenten oder Regelsysteme sind nur in der Premiumklasse zu finden. Dazu gehören der Spurhalte- sowie der automatische Spurwechsel-Assistent oder Abstandsregelsysteme. Rein technisch gesehen könnte also bereits heute teil- bis hochautomatisiertes Fahren ermöglicht werden. Der Tempomat regelt die Geschwindigkeit, das Abstandsregelsystem verhindert Auffahrunfälle und der Spurhalte- sowie der Spurwechsel-Assistent sorgen dafür, dass das Fahrzeug auf der richtigen Spur bleibt bzw. diese sicher wechselt.

In schätzungsweise zehn Jahren sollen selbstfahrende Fahrzeuge zum Alltag auf deutschen Straßen gehören. Bis zum vollautomatisierten Fahren in allen Segmenten dürfte aber noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin müssen zahlreiche rechtliche und politische Fragen geklärt werden.