Auswirkungen des Coronavirus auf den Verkehr

Die COVID-19 Pandemie führt weltweit zu drastischen Einschnitten in das Leben aller Menschen. Wie wirken sich die Einschränkungen des öffentlichen Lebens auf den Verkehrssektor und dessen Umweltbelastungen aus?

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Wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Verkehrsaufkommen aus?

Das Verkehrsaufkommen in Deutschland hat seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie stark abgenommen. Das zeigt sich sowohl in den verkehrsbelasteten Großstädten sowie auf den Autobahnen. Der Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) zufolge liegt die tägliche Verkehrsbelastung in der Hauptstadt rund 30 Prozent niedriger als in den der ersten Märzwoche dieses Jahres. Auch in anderen deutschen Großstädten ist inzwischen die mittlere Verkehrsbelastung um fast 40 Prozent gesunken. Die ausgewerteten Daten der niederländischen Firma Tomtom zeigen darüber hinaus, dass vor allem die Verkehrsspitzen, etwa im morgendlichen Berufsverkehr, verschwinden. Staus gibt es in Berlin nach Angaben der VIZ kaum noch und der ADAC berichtete von einem historisch niedrigen Verkehrsaufkommen an Ostern. Übliche Folgen wie stockender Verkehr und Staus blieben nahezu aus.

Beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) meldeten die Berliner Verkehrsbetriebe einen Rückgang der Fahrgäste um 70 bis 75 Prozent. Die Fahrpläne wurden über die letzten Wochen teilweise eingeschränkt. Auch die Zahl der Radfahrenden ist über alle Messstellen im Schnitt um 13 Prozent gesunken, die Rückgänge sind aber im direkten Vergleich zum Autoverkehr und ÖPNV deutlich geringer. Der Anteil am Gesamtverkehr könnte sich demnach, zumindest temporär, erhöht haben.

Eine Auswertung von Handydaten der Humboldt-Universität in Berlin zeigt im bundesweiten Vergleich, dass die Mobilität in Großstädten stärker abnimmt als auf dem Land. Gründe hierfür sind möglicherweise die schwierigere Umsetzung von Homeoffice sowie längere Strecken zu den Supermärkten, Apotheken oder Banken. Auch bestehen regionale Unterschiede etwa zwischen dem Südosten, wo die Mobilität teilweise um über 50 Prozent zurückgegangen ist und dem Nordosten wo es teilweise nur rund 20 bis 25 Prozent sind. Dies wird auf den Zeitpunkt der Einführung strenger Maßnahmen in früh betroffenen Gebieten und der jeweiligen Aufmerksamkeit für das Thema zurückgeführt. Grundsätzlich zeigt sich, dass die Menschen weniger mobil sind und sich die Zusammensetzung des Verkehrs verändert.

Beeinflusst die Corona-Krise die verkehrsbedingten Emissionen?

Der Rückgang des Verkehrs hat auch Auswirkung auf die verkehrsbedingten Emissionen. Daten des Berliner Senats zu folge schwanken die Luftschadstoffwerte bisher stark. Auch in anderen Bundesländern wurde eine teils sinkende Stickoxidbelastung gemeldet. Einerseits sinken die Werte, weil merklich weniger Verkehr auf den Straßen ist, andererseits werden die Schwankungen von Wetteränderungen beeinflusst und sind daher nur schwer mit den Vormonaten zu vergleichen. Die wetterbedingten Faktoren müssen zuerst herausgerechnet werden, um den tatsächlichen Einfluss der Corona-Einschränkungen zu bestimmen. Hierfür werden allerdings Wetterdaten von mehreren Monaten und vergleichbare Wetterlagen der letzten Jahre benötigt. Für ein eindeutiges Fazit ist es daher noch zu früh.

Ein Blick in verschiedene chinesische Regionen zeigt, dass in Folge der Corona-Einschränkungen die generelle Stickstoffbelastung stark zurückgegangen ist. Dies ist aber nicht nur dem Verkehrssektor zuzuschreiben, sondern vor allem auch dem Rückgang in der industriellen Produktion. Die Emissionen steigen nun nach ersten Lockerungen der Maßnahmen allerdings wieder nachweislich an.

In Bezug auf die durch den Verkehrssektor induzierten CO2-Emissionen wird mit einem Rückgang von sieben bis 25 Millionen Tonnen gegenüber 2019 gerechnet, je nach Länge der Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Der Pkw-Individualverkehr ist mit rund 60 Prozent Haupttreiber der Verkehrsemissionen.

Die Emissionen im Verkehrssektor dürften damit aufgrund der Corona-Krise erstmals seit einigen Jahren sinken und schon jetzt zeigt sich, dass sich das Mobilitätsverhalten der Menschen stark verändert hat. Wie nachhaltig diese Entwicklungen sind bleibt abzuwarten. Besonders der flächendeckende Einsatz von Homeoffice etwa könnte das Verkehrsaufkommen dauerhaft senken und so einen Beitrag zur Emissionsminderung leisten