Autogas (LPG – Liquefied Petroleum Gas)

Flüssiggas wird in verschiedenen Anwendungsgebieten, wie z.B. zum Heizen oder Kochen, verwendet. Es kann aber auch als Kraftstoff für Pkw zum Einsatz kommen. Dann spricht man von Autogas oder LPG. Aktuell fahren etwa 420.000 LPG-Pkw auf deutschen Straßen und machen somit den größten Anteil der alternativen Antriebe in Deutschland aus. Bei den meisten LPG-Pkw handelt es sich um nachgerüstete Benziner, vereinzelt gibt es auch Neuwagenmodelle mit LPG-Antrieb. Autogas ist nicht mit Erdgas (CNG - Compressed Natural Gas) zu verwechseln, da es sich hierbei um zwei komplett unterschiedliche Gase handelt. LPG-Pkw sind im Gegensatz zu CNG-Pkw typische Umrüstfahrzeuge und werden selten als eigene Serienmodelle seitens der Hersteller angeboten.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt (KBA)
*Stand November 2018

Technische Aspekte

Kraftstoff

Autogas besteht hauptsächlich aus Butan und Propan, Begleitgase der Erdöl- und Erdgasproduktion sowie des Raffinerieprozesses. Unter normalem Luftdruck ist es gasförmig, unter relativ geringem Druck von etwa 8 bar geht es in den flüssigen Zustand über. LPG wird im Pkw in einem Druckbehälter aus Stahl gelagert und hat mit 110 Oktan eine höhere Klopffestigkeit als Benzin. Die Klopffestigkeit gibt an, ob ein Treibstoff dazu neigt, sich unkontrolliert selbst zu entzünden und somit einzelne Bauteile stärker verschleißt. Da LPG geruchsneutral ist, wird ihm ein Geruchsstoff beigegeben, um etwaige Lecks frühzeitig zu bemerken. LPG wird wie Benzin oder Diesel an der Tankstelle in Litern angegeben und abgerechnet. Ein Liter LPG besitzt den Energiegehalt von 0,82 l Benzin.

Aufbau des Antriebs

Es gibt einige serienmäßig angebotene LPG-Fahrzeuge, die meisten werden jedoch nachgerüstet. Allerdings handelt es sich nur um Pkw mit Ottomotor, sprich Benziner. Der Ottomotor selbst wird bei der Nachrüstung nicht verändert, allerdings werden neue Komponenten und zusätzliche Kraftstoffleitungen in den Pkw eingebaut. Ein LPG-Pkw ist ein sogenanntes bivalentes Fahrzeug. Nach der Umrüstung kann der Pkw sowohl mit LPG als auch Benzin betrieben werden. Es sind also ein Benzin- und ein LPG-Tank verbaut. Der Fahrer entscheidet während der Fahrt per Knopfdruck, ob er mit LPG oder Benzin fahren möchte. Der LPG-Tank wird in der Regel in der Reserveradmulde im Kofferraum installiert.

Aufbau eines LPG-Pkw / Foto: Renault

Reichweite

LPG-Pkw können mit einer Tankfüllung bis zu 400 km weit fahren. Die Reichweite ist abhängig vom Fahrzeugmodell, dem Fahrstil und der Tankgröße. Beim Tankvorgang wird der Tank nur zu 80 % befüllt und dann automatisch beendet. Für die Gesamtreichweite muss noch der Inhalt des Benzintanks hinzugerechnet werden.

Tankvorgang

Die Betankung ähnelt dem gewohnten, konventionellen Tankvorgang. Allerdings wird die Zapfpistole mit dem Füllstutzen fest am Fahrzeug verschraubt, sodass die Verbindung geschlossen ist und das LPG unter Druck getankt werden kann. Die Betankungszeit ist denen von Benzinern vergleichbar. Der Betankungsvorgang endet automatisch, wenn der Tank zu 80 % gefüllt ist.

Sicherheit

Im Vergleich zu Benzinern und Diesel-Pkw hat nur der Gastank andere Sicherheitsanforderungen. Der Betriebsdruck der Gasanlage liegt bei 6-10 bar. Bei der Sicherheitsprüfung des TÜV muss der Tank allerdings einem Prüfdruck von 40 bar standhalten können. Der Tank ist so gelagert, dass er bei einem Unfall keinen Schaden nimmt. Und falls es doch zu einer Beschädigung des Tanks kommt, sorgen Sicherheitsventile dafür, dass das Gas gezielt abgeblasen wird oder bei einem Brand kontrolliert abbrennt.

Marktsituation

Modellangebot

Das Angebot an serienmäßig angebotenen LPG-Neuwagen ist gering und bedient nur die Segmente Minis, Kleinwagen und Kompaktklasse.

Stand der Infrastruktur

LPG gibt es an etwa 6.500 Tankstellen zu tanken. Somit hat LPG das dichteste Tankstellennetz der alternativen Kraftstoffe.

Kosten

Anschaffungskosten / Umrüstkosten

Die Anschaffungskosten von LPG-Neuwagen fallen je nach Modell und Hersteller recht unterschiedlich gegenüber vergleichbaren Benzin-Modellen aus. Die Bandbreite reicht von etwas günstigeren Kaufpreisen bis hin zu Mehrkosten von 4.000-6.000 €. Bei den meisten Modellen liegt der Listenpreis 1.500-3.000 € höher. Die Kosten einer Umrüstung variieren ebenfalls je nach Fahrzeug und liegen i.d.R. zwischen 1.800 € und 2.700 €.

Fördermaßnahmen

LPG ist als Kraftstoff bis zum Jahr 2023 steuerlich begünstigt. Der Steuervorteil beträgt aktuell 14,7 Cent/l, sinkt aber jährlich um 2,94 Cent/l. Ab 2023 gilt dann der volle Energiesteuersatz von 22,09 Cent/l (Zum Vergleich: bei Benzin sind es 65,45 Cent/l). Darüber hinaus gibt es keine spezifischen Fördermaßnahmen für LPG-Fahrzeuge.

Energiekosten

Die höheren Anschaffungskosten bzw. Nachrüstkosten eines LPG-Fahrzeugs können abhängig von der jährlichen Laufleistung rentieren. Denn LPG hat deutlich niedrigere Energiekosten. So liegen die Kosten pro 100 km um etwa 49 % niedriger als mit Benzin und etwa 16 % niedriger als mit Diesel.

Steuern / Abgaben

Als alternativer Kraftstoff mit geringem Marktanteil und geringeren CO2-Emissionen genießt LPG einen ermäßigten Energiesteuersatz. Der Steuersatz beträgt derzeit ca. 9,7 Cent/l und wird bis 2022 jährlich um etwa ca. 2,5 Cent/l erhöht. Ab dem 01.01.2023 beträgt der Steuersatz dann 22,09 Cent/l.

Wartungskosten

Die Wartungskosten für LPG-Fahrzeuge fallen grundsätzlich gleich aus wie bei Benzinern. Lediglich alle 20.000 km bis 25.000 km muss zusätzlich die Gasanlage gewartet werden. Hierfür fallen je etwa 125 € an.

Umwelt

LPG verursacht weniger CO2-Emissionen als Benzin, allerdings etwa gleich viel wie Diesel. Im Bereich der Schadstoffemissionen werden keine relevanten Einsparungen erreicht.

Vorteile / Nachteile